Europawahl 2004 in Osdorf


Gesamtergebnis Osdorf m. Briefwahl
Gewinne und Verluste
Wahlbeteiligung: 36,1% (1999: 39,6%)
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CDU |
SPD |
GAL |
FDP |
PDS |
Sonstige |
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2981 |
1566 |
983 |
378 |
140 |
353 |
Wahlanalyse der Europawahl 2004 in Osdorf
1.Gesamtanalyse
Ein Stadtteilporträt für HH-Osdorf finden Sie hier
Die CDU erreicht mit 46,6% ein überdurchschnittliches Ergebnis. Bedingt durch die Stabilität auf hohem Niveau in Hochkamp und die guten Ergebnisse in Alt-Osdorf und im Osdorfer Born erzielt die CDU bei den letzten Wahlen immer überdurchschnittlichere Resultate im Hamburger Vergleich. Betrug die Abweichung bei der Europawahl 1989 noch + 4,8 Pp, so stieg sie 1994 auf +6,0 Pp, 1999 auf 6,7 Pp und nun auf 7,1 Pp. Eine ähnliche Tendenz zeigen auch die Ergebnisse von Bürgerschafts - und Bundestagswahlen. Am positivsten ist dabei die Entwicklung in Osdorf-Nord, während sie in Osdorf-Mitte etwas dahinter zurückbleibt.
Die SPD verliert in Osdorf etwas unterdurchschnittlich, erzielt allerdings auch ein historisch schwaches Ergebnis. Sie fällt sogar hinter ihr Bürgerschaftsresultat zurück. Am höchsten sind ihre Verluste in ihren Hochburgen. Dies zeigt das Ergebnis von Osdorf-Nord besonders eindrucksvoll.
Die FDP erreicht mit 5,1% ein etwas unterdurchschnittliches Ergebnis, das zum einen durch ein relativ gutes Abschneiden in Osdorf-Süd anderseits durch ein unterdurchschnittliches Ergebnisse in Osdorf Mitte sowie Osdorf-Nord geprägt wird. Die Zuwächse der FDP liegen bis auf in Osdorf-Süd unter dem Hamburger Durchschnitt, was zum Teil durch die stabilen Ergebnisse der CDU begründet ist.
Für die GAL ist dieses Wahlergebnis von 15,4% ein neuer Rekord. Das bisherige beste Abschneiden bei einer Wahl betrug 13,2% bei der Europawahl 1994.Viele Ergebnisse sind historisch. Da ist zum einen das miserable Abschneiden der SPD, dass dazu führt,dass sie nun in Osdorf Süd zum ersten Mal hinter der GAL liegt. Zum anderen das historisch gute Resultat der GAL, auch wenn es für Altona im unteren Bereich liegt, das dazu führt, dass die GAL zum ersten Mal in einem Wahlbezirk im OG Blankenese die Stimmenmehrheit erzielt.
Die PDS erreicht mit 2,1% ein recht gutes Ergebnis, muss allerdings leichte Verluste hinnehmen. Dabei ist die Entwicklung unterschiedlich. Umso höher nämlich die Wahlbeteiligung ist, desto negativer die Verluste für die PDS bzw. entgegengesetzt.
Es wird deutlich, dass die PDS ein relativ festes Potential hat, dass abhängig von der Wahlbeteiligung unterschiedlich hohe Resultate „erzeugt“. Ein Beispiel dafür ist der vergleich zwischen Bezirksversammlungswahl 2004 und Europawahl 2004. Bei der Epw. erreichte die PDS mit ca.2200 Stimmen in Altona einen Anteil von 3,4%, bei der BV-Wahl waren es 1950 Stimmen und nur 1,9%. Das zeigt, dass diese Partei zwar einen harten Kern hat, dieser aber bei „normaler Beteiligung“ 1,5-2,0% nicht übersteigt.
Für die weiteren Sonstigen Parteien gilt vergleichbares, den Grauen ist mit 1,3% ein gewisser Achtungserfolg gelungen. Alle weiteren, auch die rechten Parteien, bleiben bedeutungslos.
2. Die einzelnen Teile Osdorfs
Osdorf Nord
Wahlberechtigte: 8652, Wähler: 2542, davon 560 Brief- und 1982 Urnenwähler
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Jahr |
Wahlbet. |
CDU |
SPD |
GAL |
FDP |
PDS |
Sonstige |
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2004 |
25,5% |
643 / 37,5% |
589 / 34,3% |
201 / 11,7% |
59 / 3,4% |
44/ 2,6% |
180/10,6 |
|
1999 |
29,4% |
736 / 37,8% |
935 / 48,0% |
122 / 6,2% |
39 / 2,0% |
45/ 2,3% |
69 / 3,6% |
Mit nur 25,5% fällt die Wahlbeteiligung wieder am niedrigsten aus . Während die Wahlbeteiligung in den Gebieten mit Einfamilienhausbebauung immer noch bei 29,4% (22003,Wesperloh) bis 44,7% in Wbz. 22002 (Lupinenweg) liegt, erreicht sie im Osdorfer Born selbst nur noch zwischen 27,4% und 10,2% (!). Letztgenannter Wahlbezirk (22216, Kroonhorst) ist, wie auch schon 1999, mit 14,3% der wahlbeteilgungsschwächste in ganz Hamburg.
Die CDU kann ihr Ergebnis nahezu halten. Sie wird in 5 der 10 Wbz. Stärkste Partei. Am meisten erreicht sie in 22014, Kroonhorst mit 50,6%. Am wenigsten in 22003, Wesperloh mit 29,3%. In 7 von 10 Wbz. gelingen der CDU Zuwächse von +0,1Pp bis +21,4 Pp. Die CDU schneidet in Osdorf Nord besser als im Hamburger Durchschnitt ab. Dies ist für eine Gegend mit niedrigem Sozialen Status bemerkenswert. Allerdings muss etwas relativierend gesagt werden, dass offenbar weite Teile der SPD-Anhänger der Urne fernblieben und die CDU hier ihr Potential lediglich besser ausschöpfen konnte.
Die SPD muss heftige Einbussen von -13,7 Pp hinnehmen, bleibt aber in 5 der 10 Wahlbezirke (Wbz.) stärkste Partei (EPW 1999: 8). Sie erreicht in Wbz. 22019, Bornheide mit 43,6% ihr bestes Ergebnis.
Die GAL kann ihr Ergebnis zwar steigern, bleibt aber mit 11,7% deutlich hinter dem Osdorfer-wie auch Hamburger Durchschnitt zurück. Sie erreicht in 7 von 10 Wahlbezirken über 5%, in 4 über 10%. Im Born schneidet sie mit 3,7% - 10,1% Prozent am schwächsten, ab, verliert sogar in 2 Wahlbezirken Stimmenanteile. Am besten schneidet sie in Wbz 22003,Wesperloh mit 18,0% ab.
Die FDP erreicht in Osdorf Nord mit 3,4% ein schwaches Ergebnis. Sie liegt nun in den Wahlbezirken zwischen 0,0 % (22001, Kroonhorst) und 4,8% (22001, Bornheide). Die Zugewinne sind eher unterdurchschnittlich.
Die Sonstigen Parteien erreichen in Osdorf-Nord insgesamt 13,2 %. Ihr Erfolg liegt größtenteils in der niedrigen Wahlbeteiligung begründet. Im Wahlbezirk 22016 erreicht z.B. die Tierschutzpartei „dank“ der niedrigen Wahlbeteiligung von 10,2% mit 4 Stimmen 5,7%. Trotz des hohen gesamt Anteils erreicht keine der „sonstigen Parteien“ die Nähe von 5%. Am stärksten mit 2,6% ist die PDS, ihr folgen die Grauen mit 2,1% und schließlich die Tierschutzpartei mit 1,3% sowie die mit NPD 1,3%.
Osdorf-Mitte
Wahlberechtigte: 4019, Wähler: 1589, davon 360 Brief- und 1229 Urnenwähler
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Jahr |
Wahlbet. |
CDU |
SPD |
GAL |
FDP |
PDS |
Sonstige |
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2004 |
39,5% |
477 / 39,8% |
327 / 27,3% |
263 / 22,0% |
43 / 3,5% |
29 / 2,4% |
90 / 7,3% |
|
1999 |
44,4% |
515 / 42,2% |
453 / 37,6% |
133 / 10,9% |
31 / 2,5% |
34 / 2,8% |
40 / 3,3% |
Die Wahlbeteiligung liegt zwischen 34,8% im Wbz 22013, Rugenbarg und 46,1% im Goosacker. Sie geht überall zurück (-2,5 Pp, 22012, Rugenbarg bis -6,0 Pp, 22011, Rugenbarg).
In den 4 Wahllokalen von Alt-Osdorf ist 3x die CDU stärkste Partei, sie verliert in 3 Wbz. Stimmen -1,4 Pp in 22011, Rugenbarg bis -4,6 Pp in 22020; Goosacker. Im Wahlbezirk 22013, Rugenbarg kann sie, nachdem sie dort 1999 gegen den Trend leicht eingebüßt hat, 1,8 Pp hinzugewinnen.
Die SPD gewinnt in keinem Wahlbezirk mehr die Mehrheit (1999 =1). Sie liegt nun bei 22,8% (22020, Goosacker) und 30,6% (22011), Rugenbarg. Sie verliert erdrutschartig und zwar zwischen -4,4 in 22011, Rugenbarg und -16,4 Pp in 22012, Rugenbarg, bei den letzten Wahlen eine Hochburg der SPD. Die SPD gibt mit -9,8 Pp zwar deutlich an stimmen ab, verliert aber etwas unterdurchschnittlich. ->
In Verbindung mit dem stark gestiegen GAL-Anteil ergibt sich somit ein Zuwachs für Rot-Grün insgesamt. Eine der Ursachen mag in dem deutlichen Zuzug liegen, der die Wählerstruktur in diese Richtung verändert. (Zuwachs der Wahlberechtigten seit 1999 um 345).
Die GAL holt in Alt-Osdorf ihr bestes Osdorfer Teilergebnis. Sie legt um 11,1 Pp zu, verdoppelt ihren Anteil also. Es gelingt ihr hier zum ersten Mal in ihre Geschichte im Ortsamtsgebiet Blankenese hier in einem Wahlbezirk (22012, Knabeweg) die Stimmenmehrheit zu gewinnen. Sie erreicht hier 30,7%. Ihr Minimum liegt mit 16,1% im Wbz. 22011, Rugenbarg.
Die FDP bleibt in Alt-Osdorf mit 3,5% deutlich hinter ihrem Schnitt zurück. Sie erreicht in keinem Wbz über 5%. Das Maximum liegt mit 4,8& in 22013, Rugenbarg, ihr Minimum mit 3,3% in 22020, Goosacker. In letzterem Wbz hat die FDP seit Mitte der 90er Jahre eine deutliche Negativentwicklung.
Bei den Sonstigen Parteien erzielt die PDS 2,4%, die Grauen 1,0% und die Tierschutzpartei 0,8% sowie die NPD 0,7% erwähnenswerte Anteile.
Osdorf-Süd
Wahlberechtigte: 5592, Wähler: 2793, davon 800 Brief- und 1983 Urnenwähler
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Jahr |
Wahlbet. |
CDU |
SPD |
GAL |
FDP |
PDS |
Sonstige |
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2004 |
50,0% |
51,2% / 1016 |
16,9% / 336 |
19,2% / 380 |
7,3% / 144 |
38 / 1,9% |
69 / 3,5% |
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1999 |
52,8% |
54,2% / 1135 |
25,3% / 543 |
10,7% / 225 |
4,9% / 107 |
44 / 2,1% |
37 / 1,8% |
In Osdorf-Süd ging die Wahlbeteiligung mit nur -2,8Pp am geringsten zurück. In 4 von 6 Wahlbezirken liegt sie über 50%, im Maximum mit 55,3% in Wbz 22006, Jenischstr., am niedrigsten im Wbz 22010, Vogt-Groth-Weg mit 40,6% in Wbz 22010, einer Gegend mit gemischter Bebauung.
Die CDU erreicht mit 51,2% ein sehr gutes Ergebnis, auch deshalb weil sie im Vergleich zu Hochburgen wie Blankenese oder Othmarschen, wo die Verluste zwischen -7 und -8 Pp liegen, mit -3,0 Pp in Osdorf-Süd nur unterdurchschnittlich verliert. Sie erreicht zwischen 59,9% im Wbz 22006, Jenischstraße und 41,2 % in Wbz, 22007, Hemmingstedter Weg.
Die überwiegend leichten Verluste (-0,2 Pp bis -8,1Pp als „Ausreißer“ in 22007)Verluste der CDU korrelieren eng mit den Zugewinnen der FDP.
Die SPD liegt mit nur noch 16,3% hinter der GAL und erreicht in Osdorf-Süd das schlechteste Resultat seit dem 2. Weltkrieg. Sie verliert mit -9,2 Pp deutlich, aber etwas unterdurchschnittlich, vor allem deswegen, weil die SPD auf ihren absolut „harten Kern“ reduziert worden ist. Sie liegt nun in Hochkamp zwischen 11,6% in Wbz 22006, Jenischstr. und 22,0% in Wbz. 22010, Vogt-Groth-Weg.
Die GAL erreicht mit 19,2% wie überall, auch hier ein absolutes Rekordergebnis.Sie legt zwischen +4,7Pp und +15,2 Pp (22005, Osdorfer Landstr.) zu. Und liegt nun zwischen 16,5% und 24,9% im Wbz Grotefendweg, einer traditionellen „GAL-Hochburg“. In den Wahlbezirken mit ihren höchsten Gewinnen sind die Verluste für SPD und CDU am höchsten. Dies zeigt, dass die GAL selbst in absolut „bürgerlichen“ Gebieten eine zusätzliche Mobilisierung ihrer Anhänger erreichen konnte.
Die FDP kann mit 7,3% ihr Ergebnis spürbar verbessern (4,9%), kann allerdings nicht an die Erfolge früherer Wahlen mit zweistelligen Ergebnissen anknüpfen. Sie liegt nun zwischen 4,7% in Wbz. 22005,Osdorfer Landstraße und 9,7% in Wbz. 22007, Hemmingstedter Weg.
Hier legt die FDP mit +5,3 Pp auch am kräftigsten zu, während die CDU mit 8,1 Pp am meisten verliert.
Die Sonstigen Parteien scheiden in Osdorf Süd auch bei dieser Wahl am schwächsten ab. Die PDS erreicht 1,9% die Grauen 0,4%, die Tierschutzpartei 0,5% sowie die NPD 0,5%.
Topps und Flopps, Extremwerte und weitere Fakten
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CDU |
SPD |
GAL |
FDP |
Wahlbeteiligung |
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Maximum |
59,9% Jenischstr. |
43,6% |
30,7% |
20,9% |
55,3% |
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Minimum |
29,3% Wesperloh |
11,6% |
0,9% |
0,0% |
10,2% |
Die CDU wird in 14, die SPD in 5 und die GAL in einem Wahlbezirk stärkste Partei
Die CDU erhält in 4 (1999: 4) Wahlbezirken über 50%
Die SPD erreicht in 2 Wahlbezirken über 40% (1999: 10)
Die GAL erreicht in 19 von 20 Wbz über 5% (11), in 16(5) von 20 über 10%
Die FDP erreicht in 6 (4) Wbz über 5% der Stimmen.
Erläuterungen
1.
In dieser Analyse untersuche ich das Wahlverhalten in den drei verschieden Teilen Osdorfs, dem Osdorfer Born und umliegende Siedlungen(Osdorf-Nord), Alt-Osdorf(Osdorf Mitte) und Hochkamp (Osdorf-Süd). Die 3 Gebiete verteilen sich folgendermaßen:
1.Osdorf Nord: Einkommen niedrig, Dichte relativ hoch (Osdorfer Born und umliegende Wohngebiete)
2.Osdorf Mitte: Einkommen mittel, Dichte mittel (Alt-Osdorf)
3.Osdorf Süd: Einkommen hoch, Dichte niedrig (Hochkamp)
Diese Gebiete setzen sich aus folgenden Wahlbezirken zusammen:
Osdorf Nord: 22001, 02, 03, 14, 15, 16, 18, 19, 21, 23
Osdorf Mitte: 22011, 12, 13, 20
Osdorf Süd: 22005, 06, 07, 08, 09, 10
2.
Die Stimmenanteile für die Parteien umfassen nur die Urnenwahl, da die Briefwahlstimmen für einzelne Wahlbezirke für die einzelnen Parteien nicht angerechnet werden können. Dies ist nur für die Gesamtwahlbeteiligung möglich.
Simon Bruckner, den 25.06.2004