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Analyse des Bundestagswahlergebnis 2002 der Schill-Partei in Hamburg

Einleitung

Die Schill-Partei hat bei der Bundestagswahl in Hamburg 4,2% der Stimmen erreicht. Dies ist im Vergleich zu den 19,4% der Bürgerschaftswahl wenig, liegt aber weit über dem Bundesdurchschnitt von 0,8%. Sie hat in den Umlandgemeinden und Städten Hamburgs mit 2- 3,9% (Schenefeld) ebenfalls überdurchschnittlich ab- geschnitten.

In dieser Analyse soll betrachtet werden, in welchen Gebieten Hamburgs die Schill-Partei besonders stark bzw. schwach abschnitt. Weiterhin vergleiche ich das Abschneiden der anderen Parteien in diesen Gebieten.

Wahlergebnisse in Schills “Hochburgen” bzw. “Diasporagebieten

Hochburgen = die “besten” 20 Wahllokale in Hamburg (von ca.1200)

Jahr

SPD

CDU

GAL

FDP

Schill

Sonstige

2002

48,6%

24,9%

8,9%

4,3%

10,8%

2,5%

1998

55,1%

25,2%

5,1%

3,5%

-

11,1%



Die Hochburgen Schills sind zugleich SPD-Hochburgen. Die SPD liegt hier in allen 20 Wahllokalen vor der CDU. Es zeigt sich auch dass die SPD mit -6,5 Pp überdurchschnittlich verliert und sich die CDU stabil halten kann. Die GAL-Gewinne sind unterdurchschnittlich. Die Sonstigen verlieren ebenfalls deutlich. Somit zeigt sich Folgendes:

Die räumliche Verteilung dieser 20 Wahllokale hat den Schwerpunkt Wilhelmsburg mit allein 13 Wahl- lokalen. Es folgen Horn mit 3 Wahllokalen, Lurup mit 2, Billstedt und Steilshoop mit je Einem. Somit ergibt sich eine ähnliche Verteilung der Schwerpunkte wie bei der Bürgerschaftswahl. Also Stadtteile mit Großsiedlungen und hohem Arbeiteranteil. Die Spannweite der Schill-Ergebnisse liegt hier zwischen 9,6% und 12,9%.

Diasporagebiete= die “schwächsten” 20 Wahllokale in Hamburg

Jahr

SPD

CDU

GAL

FDP

Schill

Sonstige

2002

28,5%

28,5%

25,0%

10,0%

0,5%

7,5%

1998

30,6%

30,9%

18,0%

10,9%

-

9,5%



Das Gesamtergebnis der Diasporagebiete Schills ist ein Ergebnis, dass es so auf Stadtteilebene kaum gibt. Hier kommen nämlich zwei grundverschiedene Gebiete zusammen. Zum einen bürgerliche Stadtteile mit hohem CDU- und FDP-Anteil, zum anderen alternativ geprägte Stadtteile mit hohem GAL-Anteil. Auch die Entwicklung der Parteien ist hier unterschiedlich. Während die CDU im alternativen Milieu weiter verliert, kann sie sich im bürgerlichen Milieu stabilisieren. Es ist aber interessant zu sehen, dass in beiden Milieus Schill kaum Stimmen erhält. Der hohe “Sonstige” Anteil besteht zum großen Teil aus PDS Stimmen aus den links-alternativ geprägten Stadtteilen.

Die räumliche Verteilung dieser Wahllokale ist wie folgt: Harvestehude: 4, Eppendorf: 3, Rotherbaum: 2, Ottensen: 2, Groß Flottbek: 2, Blankenese:1, Klostertor-Hammerbrook: 1. Die Spannweite der Schill-Anteile liegt hier zwischen 0,2% und 0,7%.

3.Gesamtanalyse

Die Ursache für das schlechte Abschneiden der Parteien CDU und FDP liegt weniger im Abschneiden der Schill-Partei begründet. Umso niedriger der Schill-Anteil, desto höher die die Verluste der CDU (bürgerlich geprägte Wahllokale, in denen die FDP an die CDU verliert ausgenommen!). Die FDP entwickelt sich in den Schill-Hochburgen, wenn auch auf tiefem Niveau besser als in ihren bürgerlichen Hochburgen. Es sind überwiegend eher die sonstigen Parteien und die SPD, die gegenüber 1998 an Schill Stimmen abgeben müssen. Weiterhin lässt sich sagen, dass dieses Ergebnis ein herber Rückschlag auf dem Weg zur Etablierung der Schill-Partei ist. Hieraus jedoch eine grundlegende Tendenz abzuleiten ist ebenso falsch, zumal es sich um keine Bürgerschaftswahl handelt und kein aktiver Wahlkampf betrieben wurde. Nachtrag 2005: es war der Anfang vom Ende. Mutmaßung 1 traf also zu!

Simon Bruckner, den 06.12.2002

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