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Wahlanalyse der Bundestagswahl 2009 für Hamburg-Osdorf
 

Stimmen in%


Gewinne und Verluste


Wahlbeteiligung: 68,6% -7,2


Trends

Die CDU wurde bei den Zweitstimmen erwartungsgemäß, wenn auch knapp und mit Verlusten stärkste Kraft in Osdorf. Bei den Erststimmen blieb Olaf Scholz (SPD) aufgrund eines deutlich besseren Splittingfaktors von +9,6Pp zu +5,2 Pp (2005 7,9Pp für Scholz und 6,6 Pp für Weinberg (CDU)) vorn.

Eines der Hauptmerkmale dieser Wahl waren zum einen die Wanderungen innerhalb der politischen Lager als auch die Hochburgenerosion, (CDU in Hochkamp, SPD im Osdorfer Born). Noch nie lagen bei einer Wahl die Anteile der CDU mit 33,1% in Hochkamp und 25,7% im Born so eng beieinander.

Dies wurde durch politische Themen verstärkt, im Süden durch ein Protestwahlverhalten aufgrund der Schulreform, im Norden eine sozialpolitisch bedingte Wählerwanderung SPD->Linke. Letztere gewinnt im Born dramatisch hinzu, erreicht aber selbst in Hochkamp nun relevante Anteile. Andersherum wird sichtbar, dass die Parteien sich in Ihren Diasporagebieten stabilisieren, was an punktuellen Erstimmenzuwächsen für Scholz in Hochkamp und Zugewinnen für die CDU im Born sichtbar wird.

Der Konzentrationsgrad (CDU+SPD) ist historisch niedrig. Was neu ist, ist der deutliche Rückgang der Erststimmenanteile von 86,5% auf 73,6%. Dieser war bislang recht konstant.

Abgenommen, wenn auch leicht hat das Stimmensplitting, bleibt aber, gerade im Süden auf hohem Niveau. Bei der Linkspartei hat es geringfügig- wohl zugunsten des SPD-Kandidaten auf niedrigem Niveau zugenommen.

Die Wahlbeteiligung klafft immer weiter auseinander. Bei einem Gesamttrend von -6 bis -7 sinkt die Beteiligung im Süden wenig, im Born von niedrigem Ausgangsniveau dramatisch. Die Spannweite liegt nun zwischen 39,6% (Achtern Born) und 89,4% in der Jenischstraße. 1976 beispielsweise lag der Unterschied zwischen 82,3% und 93,9% in den selben (!) Wahllokalen.

Alle im Bericht genannten Parteiergebnissen sind reine Urnenwahlergebnisse. Die Briefwahl ist somit unberücksichtigt.


Osdorf- Nord (Born und umliegende Siedlungsgebiete)

Erststimme

Jahr

Wahlbet.

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

Sonstige

2009

56,5%

43,9%

28,8%

5,5%

6,3%

12,0%

3,3%

2005

67,3%

55,8%

31,1%

3,3%

2,9%

5,1%

1,8%

Zweitstimme

Jahr

Wahlbet.

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

Sonstige

2009

56,5%

34,9%

25,7%

8,5%

11,1%

14,8%

5,0%

2005

67,3%

47,6%

26,8%

8,7%

7,1%

6,8%

2,3%

Der Rückgang der Wahlbeteiligung ist hier am massivsten und findet relativ gleichmäßig statt. Auch in den Siedlungsgebieten, sinkt die Beteiligung wobei die Rückgänge im Born zu bisher für Bundestagswahlen unbekannte Tiefen von 39,6%( Achtern Born) bis 57,2% (Glückstädter Weg).

Allerdings hat 22115, Achtern Born die Hamburgweit „rote Laterne“ an xxx.xx mit 36,8% in Hausbruch ab. Auch in den Siedlungsgebieten ist der Rückgang mit -6,6 Pp bis -11,2 Pp überraschend deutlich.

Die SPD erreicht hier nach Jahren mit Ergebnissen bei Bundestagswahlen von 47 bis 51% nun ein Rekordtief, ähnlich wie bei der vorausgegangen Europawahl. In 22115, Glückstädter Weg kommt sie mit 46,2/54,8% auf ihr altonaweit bestes Ergebnis. 4 der 5 CDU-Zuwächse liegen im Born bzw. im Wahlbezirk 22103, Wesperloh. Die GAL hat sich sehr erkennbar über 5% stabilisiert. Das Ergebnis der Linken liegt im oberen Drittel des Protestpotentials, ist aber nicht rekordverdächtig (2001= 23,0% Schill).

Schaut man sich die Resultate solcher Parteien an, dann fällt einem auf, dass seit 1993 Prostestparteien verschiedenster Coleur dieses relativ feste Potential von 10-25% ausschöpfen. 1993 Reps/DVU+Statt-Partei, 2001 Schill und seit 2005 die Linke. Der Protestteil dieser Wähler scheint offenbar politisch ungebunden zu sein und legt den Fokus auf eine bestwirksame Artikulation. Dies scheint derzeit aus der Sicht dieser Wählergruppe mit der Linken am erfolgversprechendsten zu sein.


Alt-Osdorf (Osdorf – Mitte)

Erststimme

Jahr

Wahlbet.

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

Sonstige

2009

76,5%

38,8%

34,4%

9,3%

8,0%

6,6%

2,9%

2005

82,4%

48,8%

37,0%

6,1%

3,0%

4,0%

1,2%


Zweitstimme

Jahr

Wahlbet.

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

Sonstige

2009

76,5%

29,7%

30,4%

12,1%

13,2%

9,9%

4,7%

2005

82,4%

39,1%

30,1%

14,4%

8,9%

5,4%

2,1%

Hier hat das bürgerliche Lager spürbar hinzugewonnen. In 2 der 4 Wahlbezirke führt die CDU bei den Zweitstimmen, in einem bei der Erststimme. Andersherum die SPD, die zuvor in 3 von 4 bzw. allen Wahlbezirken vorn lag.

Die GAL kann-allein durch mäßige Verluste im Knabeweg (von 17,3 auf 13,9%) und Goosacker (von 15,9% auf 13,4%), die bei früheren Wahlen Hochburgen waren nicht an ihre früheren Ergebnisse anknüpfen, hier spielt gerade bei „Linkswählern“ sicher auch das Erstarken der Linken in den selben Wahllokalen eine Rolle. Die FDP hat Ihre Schwächephase der 90er und frühen 2000er Jahre überwunden und erreicht ihr bestes Ergebnis seit 1990.

Die Entwicklung der Wahlbeteiligung verläuft typisch: Hohes Ausgangsniveau=niedriger Verlust (Goosacker 83,7 nach 86,6%), mittleres Niveau = höhere Verluste (22113, Goosacker 71,2% nach 81,4%).


Osdorf Süd (Hochkamp)

Erststimme

Jahr

Wahlbet.

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

Sonstige

2009

80,6%

33,1%

41,7%

9,6%

9,0%

4,5%

1,4%

2005

83,4%

35,4%

50,6%

8,2%

2,8%

2,1%

0,9%

 

Zweitstimme

Jahr

Wahlbet.

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

Sonstige

2009

80,6%

22,5%

33,3%

16,1%

18,3%

6,4%

3,0%

2005

83,4%

27,0%

40,5%

14,2%

13,2%

3,3%

2,0%

Hier bricht die CDU nach Jahren der Stabilität (39,6 in 2002 bis 45,4% der Zweitstimmen in 1994) ein, wobei der Wbz. 22005 um das Areal „Am Landpflegeheim“ erweitert und somit per se „linker“ geworden ist, aber auch in Hochkamp selbst werden - historisch schwach- die 40% nur noch 1x in 22009, Am Isfeld überschritten.

Die SPD hingegen verliert weniger und sichert sich in 1 (0) der 6 Wahlbezirke die Erststimmenmehrheit, was durch das sinkende, aber immer noch hohe Erststimmenplus der CDU einerseits und den trotz Verlusten steigenden Erststimmenüberhang der SPD andererseits möglich wird. Bei den Zweitstimmen gewinnt die CDU in sämtlichen Wahlbezirken.

Die FDP fängt die CDU-nicht ganz Verluste auf, sodass das bürgerliche Lager leicht verliert. Gewinner der Wahl ist auch die GAL, die in 22008, Grotefendweg nur noch knapp hinter CDU und SPD mit 24,0% liegt. Relativ stabil zeigt sich die Wahlbeteiligung mit 80.6% nach 83,4% in 2005.


Zweitstimmentopps und Flops in % der Parteien in den Wahllokalen

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

46,2 Glückst. Weg

41,4 Am Isfeld

24,0 Grotefendw.

23,2 Jenischstr.

23,0 Kroonhorst

16,6 Grotefendw.

20,5 Wesperloh

5,1 Achtern Born

7,1 Glückst. W.

2,9 Am Isfeld

 

Erststimmentopps und Flops der Parteien in den Wahllokalen

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

54,8 Glückst. Weg

51,3 Am Isfeld

13,7 Grotefendw.

11,6 Jenischstr.

19,5 Kroonhorst

25,2 Jenischstr.

24,7 Glückst. Weg

2,2 Glückst. Weg

2,9 Glückst. Weg

1,7 Am Isfeld

Wahlbeteiligung:
Top: 89,4%, Jenischstraße

Flop: 39,6%, Achtern Born

Und hier die Wahllokalergebnisse …

Osdorf

42,2 -5,8

32,8 -8,1

5,8 +1,3

9,4 +6,7

6,9 +4,2

22101

Glückstädt. W. 75

71,7 -11,2

31,5 -8,3

27,9 -6,5

9,7 +0,3

15,7 +6,5

7,7 +3,2

7,5

41,3 -8,5

35,5 -3,4

8,1 +4,2

6,4 +2,1

4,8 +2,3

22102

Lupinenweg 12

76,2 - 6,6

30,7 -10,4

32,0 -1,8

12,8 +1,8

12,0 +3,0

8,0 +3,9

4,5

41,0 -16,3

24,9 -3,8

9,5 +4,7

8,3 +6,8

12,1 +6,1

22103

Wesperloh 19

64,9 - 8,2

33,0 -13,8

20,5 +0,7

11,7 -1,7

12,9 +3,3

15,9 +8,0

6,0

33,8 -4,9

34,7 -12,5

10,8 +3,9

7,5 +4,8

8,7 +5,1

22105

Knabeweg 3 (Neuer Wbz!)

70,4 - 5,8

24,6 -5,7

29,9 -6,3

15,1 +1,7

14,0+1,7

11,3+6,7

5,2

25,4 -6,6

49,7 -7,0

9,0 +2,0

11,6 +8,8

3,1 +0,7

22106

Jenischstraße 48

89,4 - 1,4

18,4 -4,7

38,7 -6,2

13,8 -0,2

23,2 +8,1

4,2 +2,1

1,8

36,6 +0,8

36,0 -9,8

11,9 -0,4

9,9 +7,1

4,0 +1,6

22107

Jenischstraße 48

84,9 - 5,0

22,1 -4,0

28,3 -7,5

20,8 +2,8

18,1 +3,5

6,8 +3,1

4,0

31,9 +0,7

40,3 -9,7

13,7 +1,6

9,1 +7,0

4,4 +0,8

22108

Grotefendweg 20

87,8 - 1,9

16,6 -6,4

27,8-12,8

24,0 +8,5

22,9 +9,1

6,1 +1,4

2,5

31,3 + 2,1

51,3 - 9,2

5,2 - 0,1

8,7 + 5,3

1,7 +0,4

22109

Am Isfeld 19

79,4 +0,8

24,4 +3,4

41,4 - 8,3

11,3 -1,6

18,4 +4,6

2,9 +1,2

1,4

39,8 - 6,4

38,8 - 5,0

7,6 +1,2

8,2 + 5,6

4,9 +3,6

22110

Vogt-Groth-W. 27

77,2 -0,8

28,7 - 9,7

33,5 -2,7

12,8 +1,4

14,5 +4,9

7,2 +4,0

3,3

38,7 - 8,7

35,4 - 0,4

10,3 +2,1

7,9 +4,6

5,7 +0,9

22111

Goosacker 41

78,8 -5,2

29,0 - 9,4

31,2 +2,9

13,2 -2,5

13,6 +2,9

8,4 +2,2

4,6

43,5 -11,5

27,2 -3,3

10,6 +4,7

6,8 +4,2

7,9 +4,0

22112

Knabeweg 3

71,2 -10,2

32,4 -11,1

23,3 -0,2

13,8 -3,5

11,7 +4,6

12,6 +6,7

5,8

37,6 -6,8

36,3 -5,4

7,2 +2,0

7,7 +4,2

8,0 +3,9

22113

Goosacker 41

72,0 -9,8

31,9 -4,4

31,6 -4,6

9,3-1,7

10,8 +3,1

11,3 +5,9

5,1

44,1 -13,9

29,1+3,5

3,8 +1,4

3,8 +0,4

16,1 +8,6

22114

Kroonhorst 25

49,1 -15,4

33,8 -14,6

20,2 -5,4

6,8 +0,1

12,9 +6,9

21,7 +13,1

4,6

36,2 -22,2

31,1 -0,2

3,9 +1,2

6,6 +5,0

17,9 +12,9

22115

Achtern Born 135

39,6 -10,9

31,7 -17,9

31,3+5,2

5,1-2,3

8,1 +2,0

18,2 +12,1

5,8

40,8 -16,9

26,0 -2,8

6,1 +4,2

6,1 +4,2

19,5 +13,0

22116

Kroonhorst 25

42,1 -13,6

33,1 -17,6

24,8 +/-0

5,8-1,7

9,7 +3,9

23,0 +16,2

3,6

49,6 -9,2

28,0 - 0,8

3,1 -0,3

6,7 +3,3

11,4 +6,5

22118

Kroonhorst 25

50,6 -14,0

41,6 -8,7

27,1 +1,3

7,8 +1,5

9,4 +2,8

11,8 +3,9

2,4

54,8 -4,6

25,3 -4,6

2,2 -0,6

2,9 +0,1

14,0 +9,8

22119

Glückstädt. W. 75

48,9 -14,8

46,2 -6,7

19,4 -7,8

6,5 -0,5

10,4 +5,0

16,5 +11,3

1,1

34,4 -9,8

40,2 -4,2

8,6 +3,3

10,0 +7,4

5,3 +1,9

22120

Goosacker 41

83,7 -2,9

25,8 -9,7

36,1 -0,7

11,1 -0,5

16,4 +5,3

7,4 +3,5

3,1

44,1 -11,9

26,1 +/-0

3,6+1,3

7,3 +2,4

14,3 +7,0

22121

Kroonhorst 25

54,6 -12,0

33,1 -15,1

25,8 +1,7

6,1 -1,1

10,1 +4,3

15,0 +5,2

9,8

48,7 -10,7

27,0 -1,9

3,6 +/-0

4,7 +2,0

14,2 +9,3

22123

Glückstädt. W. 75

57,2 -11,1

40,1 -12,2

26,0 +1,8

6,2 -1,5

7,1 +1,7

16,8 +9,1

3,8


Hamburgweite Zahlen und Analysen befinden sich auf der Wahlseite des Statistischen Amtes Nord
Simon Bruckner, den 13.10.2009

Hier zum ausdrucken: die Word-Version