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Wahlanalyse der Bürgerschaftswahl 2011 für Hamburg-Osdorf

 

Landesstimmen in %


Wahlbeteiligung: 57,5% -5,4


Trends

Und wieder eine Wahl mit gewaltigen Ausschlägen in Hamburg wie im Stadtteil Osdorf. Erst 1993 der Erdrutsch für CDU und SPD-Folge- Statt-Partei, dann 2001 der kometenhafte Aufstieg der Schill-Partei von 0 auf 19,2%, 2004 die absolute Mehrheit für die SPD mit Zugewinnen für die CDU von 21,0 Prozentpunkten und nun deren rasanter Abfall und deutlichen Zugewinnen für die SPD.

Allgemein kann gesagt werden, dass die Prozentanteile in den Osdorfer Milieus so unterschiedlich sind, dass sie häufiger zu Rekorden für die Altonaer Werte und diesmal sogar Hamburgweit für die SPD führen.

Die CDU erlitt in allen Teilen Osdorfs historische Verluste, im Osdorfer Born halbierte sie sich gar auf 18,8%, am dramatischsten waren die Verluste aber im Osdorfer Süden auf um -23,8 Pp auf 29,1%, selbst bei Ihrer letzten hohen Wahlniederlage in 1993 konnte die Union in Ihren Hochburgen noch Werte von 35-40% erzielen.

Die SPD erreichte durchgehende Gewinne von 15,9Pp in Osdorf-Süd, +18,6PP in Alt-Osdorf und +18,4Pp in Ihrer Hochburg im Osdorfer Born. Sie liegt in ihren Hochburgen etwas hinter ihren Werten vom letzten deutlichen Wahlsieg in 1991, Grund mag das Auftreten und eine gewisse der Etabliertung der Linken dort sein. Sie gewinnt aber im Süden, gerade in Hochkamp auf bislang unerreichte 41,5% hinzu. Dies ist wohl ein "Ertrag" ihres sehr bürgerlich positionieren Wahlkampfs. Im Osdorfer Born liegt auch Ihr Hamburger Rekordwahlbezirk mit 69,3% in 22219, Glückstädter Weg, die CDU erreicht in 22109, Am Isfeld mit 41,2% ihren immerhin besten Altonaer Wert.


Die GAL schwankt in den Wahlbezirken zwischen leichten Gewinen und Verlusten und kann sich nur in Alt-Osdorf nennenswert verbessern, die "große" Expansion der Grünen ist jedenfalls ausgeblieben, sie fällt in Osdorf auf den 4. Platz hinter die FDP zurück.

Die FDP hat eine starke Spreizungen bei den Zugewinnen. Finden diese im Born saldiert gar nicht statt, sind sie in umliegenden Siedlungsgebieten und in Alt-Osdorf nur leicht, dagegen in Hochkamp und Flottbek stark. Hier fängt die FDP den Teil der CDU-Wähler auf, welche nicht zur SPD abwandern wollte. Nur diesen Wählern hat die FDP über ganz Hamburg gesehen den klaren Einzug in die Bürgerschaft zu verdanken.

Der Konzentrationsgrad von CDU+SPD liegt mit 74,3% unter dem von 2008 (79,2%), befindet sich aber im Mittel der letzen Jahre und über dem der Wahlen 1993, 1997 und 2001.

Die Wahlbeteiligung klafft noch stärker als bei den Vorwahlen auseinander. Bei einem Gesamttrend von -5,8 Pp sinkt die Beteiligung im Süden wenig, im Born von ohnehin niedrigem Ausgangsniveau deutlicher. Die Spannweite liegt nun zwischen 25,9% (Achtern Born) und 82,6% in der Jenischstraße.

Hinweis:
Alle im Bericht genannten Parteiergebnissen sind reine Urnenwahlergebnisse. Die Briefwahl ist somit unberücksichtigt.


Osdorf- Nord (Born und umliegende Siedlungsgebiete)

Landesstimme

Jahr

Wahlbet.

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

Sonstige

2011

44,9%

59,8%

18,8%

4,6%

6,3%

12,0%

3,3%

2008

50,3%

41,4%

38,4%

3,9%

2,9%

5,1%

1,8%

Der Rückgang der Wahlbeteiligung ist hier diesmal "nur" am zweithöchsten und findet relativ gleichmäßig statt. Im Lupinenweg, sinkt sie wenig, hier werden 70,0% nach 71,3% erreicht. Im Born hingegen liegt sie im Kern - Achtern Born- zwischen 25,9% (2008=31,3%) und 46,1% in 22123 Glückstädter Weg.

Die SPD erreicht hier nach Jahren mit Ergebnissen von 34 und 41% aufgrund von erdrutschartigen Zugewinnen-ähnlich wie die CDU in 2004 nun wieder ein Spitzenergebnis von 59,8% und liegt in allen Wahllokalen über 50%.

In 22119, Glückstädter Weg kommt sie mit 69,8% auf ihr hamburgweit bestes Ergebnis. Die CDU erhält im Lupinenweg mit 31,0% (45,0%) und kann sich bei nur -6,2Ppp in 22115 ( 24,2%) altonaweit am besten behaupten, am schlimmsten triffst es sie in 22114, Kroonhorst mit nur noch 8,8% und -26,0Pp. Das Ergebnis der Linken geht sogar flächendeckend zurück, hier konnte die SPD wohl einige linke Protestwähler zurückgewinnen. Die GAL leget zwar leicht zu, bleibt aber in außer in den 2 "Siedlungslokalen" Lupinenweg und Bornheide unter 5% - am Kroonhorst bei gar nur 1,6% (-0,8Pp). Der FDP geht es fast genauso.


Alt-Osdorf (Osdorf – Mitte)

Landesstimme

Jahr

Wahlbet.

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

Sonstige

2011

65,2%

50,3%

23,7%

8,6%

7,5%

5,5%

4,3%

2008

71,5%

31,8%

47,1%

7,8%

5,2%

5,9%

1,9%

Hier hat die CDU alle 4 Wahlbezirke und bis auf in 22120, Goosacker (27,8%) etwa die Hälfte ihrer Stimmenanteile verloren, am heftigsten ihrem bislang besten Bezirk 22113 mit -25,9% auf 26,4%. Das schwächste Ergebnis zeigt traditionell sich im von mehrstöckigen Häusern dominierten Wahlbezirk 22112, Knabeweg mit 17,7%, am besten schneidet sie im gutbürgerlich und eher "weit" bebauten Wahlbezirk 22120, Goosacker mit 27,9% ab.

Die SPD, die zuvor in keinem der 4 Wahlbezirke vorn lag, holt nun alle und kann hier am stärksten zulegen und liegt nun 2 x in 22111, Goosacker (53,6%) und 22112, Knabeweg (53,4%) über der 50%-Marke.

Die GAL kann an ihre Rekordergebnisse früherer Wahlen nicht anknüpfen, verfehlt in allen Lokalen die 10%-Marke legt aber mit +0,8Pp in Alt-Osdorf am deutlichsten zu.

Die Linke liegt in 2 Wahlbezirken über 5%, in 2 darunter, gerade im Alt-Osdorfer "Kern" 22113 kann sie sich um 3,0Pp auf 8,0% verbessern.

Die FDP kann sich durchschnittlich verbessern, kann nur in 22120, Goosacker, einem sehr "bürgerlichen" Wahlbezirk spürbar um +5,3Pp auf 11,3% zulegen, verliert in 22113, Goosacker sogar 2,2 Pp.

 


Osdorf Süd (Hochkamp)

Landesstimme

Jahr

Wahlbet.

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

Sonstige

2011

72,9%

41,5%

29,1%

10,3%

11,8%

3,6%

2,7%

2008

75,0%

25,6%

52,9%

9,7%

6,2%

3,9%

2,2%

Hier bricht die CDU ein, wird nur noch in einem Wahlbezirk mit 41,5% stärkste Kraft, am wenigsten erhält sie in 22108, Grotefendweg mit 21,2% nach 47,1% in 2008 dort. Dies ist der Wohnbezirk ihres Bürgermeisterkandidaten Christoph Ahlhaus. Dies sind bislang einmalige Prozentkategorien für diese Partei, genau wie für die SPD im positven Sinne. Nur der Wahlbezirk 22109, Am Isfeld zeigt Beständigkeit-hier gibt es selbst bei dieser Wahl eine bürgerliche Mehrheit von nahezu 60%.

Die GAL ist im Osdorfer Süden, besonders in Hochkamp mit bis zu 17,5% in 22108, Grotefendweg und dort auch mit einem klaren Plus von 3,2Pp am besten vertreten.

Die FDP hat hier den Löwenanteil ihrer Osdorfer Zugewinne geholt, am wenigsten in 232105, Knabeweg, mit +3,0Pp auf 8,0%, am meisten in 22106, Jenischstraße mit +15,2% auf 21,7%.

Die Linke verliert nach den erfolgreichen letzten Wahlen Bund 2009= 6,4) mit jetzt 3,6 (-0,3) wieder etwas an Bedeutung. Nur 0,9% in der Jenischstraße sind der Altonaer Tiefstwert.

Die SPD holt 4 der 5 Wahlbezirke, die prozentuale Steigerung um 38% bei den Stimmenanteilen ist hier am höchsten. Die Anteile liegen bei minimal 33,9% in 22109, Am Isfeld und maximal 46,4% in 22106, Jenischstraße und erreicht Dimensionen, die es selbst beim letzten großem Wahlsieg 1991 so nicht gab, damals reichte die Spannweite von 17,5% 22106, Jenischstraße bis hin zu 41,2% in 22110, Vogt-Groth-Weg.

Die Entwicklung der Wahlbeteiligung ist halbwegs stabil und liegt zwischen 82,6% nach 86,2% (Goosacker, 22106) in 22109, Am Isfeld steigt sie sogar leicht um 0,3Pp gegen den Trend an, am meisten fällt sie im ohnehin etwas schwächeren Lokal 22105, Knabeweg um -5,8Pp.


Landesstimmentopps und Flops in % der Parteien in den Wahlbezirken

SPD

CDU

GAL

FDP

Linke

69,1 Glückst. Weg

41,5 Am Isfeld

17,5 Grotefendw.

21,7 Jenischstr.

11,9 Kroonhorst

33,9 Am Isfeld

8,8 Kroonhorst

1,6 Kroonhorst

1,1 Kroonhorst

0,9 Jenischstr.

Weitere Fakten


-Die SPD wird in 19 der 20 Wahllokalen stärkste Partei und erreicht somit einen historischen Erfolg, die 50%-Marke überschreitet sie dabei in 11 Bezirken, die 60% in 6, allesamt im "Born" gelegen

-Die CDU hält nur noch einen Wahlbezirk, erreicht nur noch dort die 40%-Marke, in (immerhin) Vieren übertrifft sie die 30%-Marke.

-Die GAL übersteigt 10% in 3 Wahlbezirken unter 5% landet sie in 7.

-Die FDP übersteigt 10% in 5 Wahlbezirken, unter 5% bleibt sie in 9.

Wahlbeteiligung:

Top: 82,6%, Jenischstraße

Flop: 25,9%, Achtern Born


Hamburgweite Zahlen und Analysen befinden sich auf der Wahlseite des Statistischen Amtes Nord

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Simon Bruckner, den 10.03.2011